Desperate Journalists

Anscheinend hat die erste Staffel der Desperate Housewives das Weihnachtsgeschäft der DVD-Verkäufer gerettet. Der heutige «Tages-Anzeiger» widmet dieser Tatsache gleich eine halbe Seite im Wirtschaftsteil. Und haut kräftig daneben.

Die sprachlichen Schnitzer beginnen schon im Titel: «Vier Hausfrauen retten DVD-Markt». Ach ja? Den Media Markt in Dietikon oder gar einen sympathischen DVD-Laden um die Ecke? Gerettet haben sie vermutlich den Umsatz der DVD-Verkäufer, aber nicht den Gesamtmarkt. Der ist nämlich abstrakt. Egal.

Weiter geht es mit freier Übersetzung: Die desperate, also verzweifelten Hausfrauen werden flugs zu «wilden Hausfrauen» (oh ja, wild sind sie alle, besonders Bree van de Kamp). Dann führen uns die beiden Autoren über den syntaktischen Holperweg («Der Verkaufserfolg ist offenbar erst seit kurzem überhaupt möglich» – das wird auch beim zweiten Nachlesen nicht besser). Zudem beweisen sie Kreativität beim Schreiben von Firmennamen («City Disc» und «City Disk») und benützen virtuos Synonyme («DVD», «Silberlinge», «Film-DVDs» und «Film-Silberlinge»).

Kinderkram? Es wird noch besser. Denn zum Erzielen maximaler Authentizität wird die direkte Rede der Gesprächspartner unredigiert übernommen:

«Aber auch, dass die Serien ohne Werbeunterbrechung angeschaut werden können, ist sicher ein Grund dafür», sagt die Ex-Libris-Sprecherin.

Zugabe!

«Serien wie ‘Desperate Housewives’ und ‘Sex and the city’ haben neu auch das feminine Geschlecht so richtig zu DVD-Konsumentinnen werden lassen», beobachtet Schaumlechner.»

Selbst wenn Herr Schaumlechner, seines Zeichens Sprecher des Schweizerischen Videoverbandes, so richtig Dialekt spricht und die Frauen als feminines Geschlecht bezeichnet, darf seine Aussage in die Schriftsprache transponiert werden.

Doch das sind Details. Vor allem im Vergleich zum Bijou des Artikels:

«Als wichtiges Kaufmotiv nennen [beide Befragten] den Sammler-und-Jäger-Effekt der Kunden.»

Erstens heisst der Sammler-und-Jäger-Effekt richtigerweise Jäger-und-Sammler-Effekt, zweitens ist er kein Effekt, sondern ein Trieb. Drittens wird durch den entstellten Ausdruck die gesamte Aussage ins Gegenteil verkehrt: Nicht die DVDs üben einen «Effekt» auf die Kunden aus, sondern die Kunden auf die DVDs. Aber wir wollen ja nicht kleinlich sein.

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