Kritik auslössen

Der gewesene Bundeskanzler Gerhard Schröder nimmt trotz seiner vorherigen Beteuerungen gut bezahlte Beraterstellen an. Bevor er sich aber ungestört an seinem Zusatzeinkommen freuen kann, muss er unten durch. Spitzfindige Journalisten (und Politiker und Bürger und Akademiker und Kumpel und …) bezichtigen ihn der Raffgier, der Käuflichkeit, ja, des Wortbruchs.

In den meisten Medien wurde geschrieben, dass Schröders Bekenntnis Kritik ausgelöst habe. Nicht so in der Online-Ausgabe des Tages-Anzeigers: Dort wird die Kritik «ausgelösst».

Welch wunderbarer Verschreiber! Denn Löss (oder Löß, wie es unsere deutschen Nachbarn vermutlich immer noch schreiben), ist ein feines Lockersediment, das vom Wind transportiert und abgelagert wird. Es bildet surreale Landschaften, zum Beispiel in China, aber auch im österreichischen Burgenland.

Die Kritik (und damit auch das Augenmerk der sogenannten Öffentlichkeit) ähnelt nun tatsächlich dem Löss: Sie ist problemlos vom einen auf den anderen Ort zu übertragen, wechselt ihre Ziele so rasch wie der Wind und türmt sich oft zu beträchtlichen Haufen auf. Wetten, dass die Lössdünen der «scharfen Kritik» sich schon in wenigen Tagen an den nächsten Ort der öffentlichen Empörung verlagern?

Schröders Beraterposten lösst Kritik aus
Screenshot

Comments 2

  1. Grundel&Hatz wrote:

    so schön. Merci!

    Posted 11 Dez 2005 at 19:26
  2. Konrad wrote:

    Was es mit dem Loessboden im Burgenland auf sich hat, habe ich im
    http://burgenland.foren-city.de Auskunft erbeten.

    Was bei Schroeder verwundert ist, dass er nicht als Handlanger der Banken auftritt, sondern so tut, als habe ein russisch-deutsches Konsortium irgendein Interesse an seinen ureigenen Fachkenntnissen.
    Konrad

    Posted 12 Dez 2005 at 10:54

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