mitunter

«Mitunter» muss man einfach mögen. Es tönt hübsch, gebildet und trotzdem locker. Und heisst auch nichts anderes als das simple «und.»

Aber nein. «Mitunter» bedeutet weder «und» noch «ausserdem», und schon gar nicht «ebenfalls». Sondern «manchmal, zuweilen, ab und zu.» Wegen der hartnäckigen Verdreher in Redaktions- und Marketingbüros fällt das aber bald niemand mehr auf. Nicht einmal der Korrektor der NZZ am Sonntag schreckte auf, als in einem belanglosen Beitrag der Sohn von Rainer Epunkt Gut mit folgendem denkwürdigen Satz charakterisiert wurde:

«Dass Gut (…) nicht als typischer «Szeni» bezeichnet werden kann, liegt mitunter an seiner ruhigen Art. Er wirkt unauffällig (…).»

Quizfrage: Liegt es ab und zu oder auch an Herrn Gut Juniors ruhigen Art, dass er dem schändlichen Szenen-Ettikett entgeht?

[ ] Das ist mitunter egal.
[ ] Es scheint, dass auf dem Korrektorat mitunter geschlafen wird.

Comments 8

  1. Daniel wrote:

    Dass die Sprache lebt und sich der Sinn gewisser Wörter verändert, ist normal. Dass diese Sinnänderung vorkommt, weil das Wort falsch eingesetzt wird, kann man bedauern - den meisten Menschen fällt dies aber nicht auf. Falsch wäre es aber zu behaupten, dass es niemandEM mehr auffalle, wenn der Dativ vom Nominativ verdrängt wird! Wahrscheinlich hätte dies sogar der Korrektor der NZZ am Sonntag bemerkt.

    Posted 22 Jan 2006 at 13:42
  2. Michael Staub wrote:

    Oh Schande! Welch hässlichen Verschreibers.

    Posted 22 Jan 2006 at 15:00
  3. Mat wrote:

    “Niemand” darf tatsächlich unangepasst geschrieben werden, also kein Verschreiber, nur Altdeutsch… =)

    Posted 11 Nov 2006 at 12:07
  4. Adrian Wachowiak wrote:

    In diesem Falle ist die Bedeutung des Wortes “mitunter” wohl als Ersatz für “unter anderem” zu vestehen, nicht für “ab und zu”. Das kurze Zitat scheint mir trotzdem schwacher Qualität, ist doch eine Begründung, die sich auf ein einzelnes Argument beruft, obwohl mit dem Einschub “mitunter” derer mehrere vorausgesetzt werden, etwas schwammig. Nunja, die kleinen Journalisten müssen sich eben “mitunter” beeilen, um die Arbeitszeit in gesunde Relation zur Bezahlung zu setzen.
    Ob das nun an Herrn Guts zeitraubender ruhigeR Art liegt oder an seiner ruhigeN Art, das bleibt wohl ein Rätsel.

    Posted 01 Okt 2008 at 13:28
  5. Michael Staub wrote:

    Nun ja. Dass «Qualitätszeitungen» mitunter ihre «Qualität» betonen, diese Qualität aber weit häufiger weggespart wird, liegt unter anderem an den Journalisten als Kostenerzeugern betrachtenden Verlagen und dem beliebten Totschlagargument: «Die Gratiszeitung bringt uns aber viel mehr Umsatz.» Oder etwas salopper formuliert, wenn die Abschlussredaktion um jeden Preis wegge«spart» werden soll, merkt das Leser sofort und nicht ohne Pein …

    Posted 01 Okt 2008 at 14:11
  6. Adrian Wachowiak wrote:

    Stimmt. Der eine oder andere Leser zumindest. Mitunter habe ich allerdings das Gefühl, nicht allzu viele Menschen bemerken die kleinen Unebenheiten und Ungenauigkeiten.. wenn Studenten schon den “Express” lesen, statt der FAZ, der Zeit, oder ähnlichen Materials; der Fernsehalltag gespickt ist von sinnleerem Geschwafel und kulturlosen Inhalten..
    naja..
    wenn Du etwas an der Welt ändern willst, dann fange bei Dir selber an, sage ich zu mir..
    alles eine Frage des Betrachtungswinkels..

    Posted 01 Okt 2008 at 14:50
  7. Philipp wrote:

    Ich möchte bei neuen Kommentaren zu diesem Beitrag ein E-Mail erhalten.

    Das müsste aber tatsächlich auch EINE E-Mail heißen oder? Zumindest ist es in meiner Region gebräuchlich. Das E-Mail hab ich noch nie gehört…

    Posted 25 Nov 2008 at 0:49
  8. Michael Staub wrote:

    In der Schweiz geht beides – ein Vorteil der direkten Demokratie ;-).

    Posted 28 Nov 2008 at 11:48

Trackbacks & Pingbacks 1

  1. From AdWords: Themen, die Google verbietet | Google AdWords | Suchmaschinenmarketing Blog von Angelink yourposition on 20 Mrz 2008 at 7:02

    [...] ist mitunter, dass Google nicht jeden Ablehnungsfall offenlegt. Pharma-Begriffe und geschützte Markennamen (ein [...]

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *